Von Uruguay nach Portugal – und plötzlich wieder im Auto
„Ich hab heute das Go von der Werkstatt bekommen.“ Der Startschuss eines Roadtrips, von dem ich überhaupt nicht wusste, was mich erwartet. Etwas mehr als zwei Jahre waren seit unserem letzten Abenteuer auf den Straßen Uruguays vergangen. Als wir uns im November 2024 das erste Mal wieder sahen, erzählte mir Alex von seinem Vorhaben, im nächsten Sommer mit seinem geliebten
Peugeot 205 von Hamburg nach Teneriffa zu fahren, um dort sein Auslandssemester zu absolvieren.
Wir witzelten, wie schön und nostalgisch es wäre, wenn ich mitkommen würde – geglaubt hätte ich es damals nie.
Und doch saß ich ein dreiviertel Jahr später plötzlich im Flugzeug nach Santiago de Compostela, im Nordwesten Spaniens – wichtigste Pilgerstätte auf dem Jakobsweg und Startpunkt unseres Trips.

Sprache: Portugiesisch
Hauptstadt: Lissabon
Einwohner: ca. 10 Mio.
Good to know
Portugal grenzt im Norden und Osten an Spanien, während sich seine Küsten im Westen und Süden am Atlantik entlangziehen.
Der Norden ist eher gebirgig und von kühlerem, feuchtem Klima geprägt. Richtung Landeszentrum bleiben die Höhenzüge bestehen, doch die Bedingungen werden milder – ideal für den berühmten Weinbau. Weiter südlich folgt ein trockenes, hügeliges bis ebenes Gebiet, das schließlich in der Algarve endet. Diese Region ist das bekannteste Urlaubsziel Portugals und lockt Besucher aus aller Welt.
Zum Staatsgebiet gehören außerdem zwei Inselgruppen im Atlantik: die Azoren mit ihrer vulkanischen Landschaft und das sonnige Madeira, bekannt als „Blumeninsel“.
Portugal ist Mitglied der EU und des Schengen-Raums, was unkompliziertes Reisen ermöglicht. Durch die Lage in der Westeuropäischen Zeitzone (MEZ –1) ist es außerdem die einzige Nation auf dem europäischen Festland mit einer Stunde Zeitunterschied zu Mitteleuropa.
Waldparkplatz und Grillenkonzert
Mein Herz hüpfte mir fast aus der Brust, als ich aus der Flughafentür trat und Alex auf dem Parkplatz stehen sah. Ich wusste nicht, wo die Aufregung plötzlich herkam – die ganze Zeit war ich doch so entspannt gewesen. Doch nun prasselten alle Gedanken auf mich ein, die ich zuvor beiseitegeschoben hatte: „Was, wenn es komisch wird?“, „Wie ist wohl die Stimmung?“, „Hab ich mich zu sehr aufgedrängt?“. Darüber hätte ich mir wohl besser vorher Gedanken machen sollen – jetzt war es zu spät.
Und dann umarmten wir uns. Die Sorgen verflogen, und ein warmes Gefühl von Vertrautheit breitete sich in mir aus – eine Nähe, die ich sehr vermisst hatte.
Erstmal gings zu McDonalds – für WLAN, eine Cola und um zu entscheiden, wo wir die erste Nacht verbringen würden. Da wir Low-Budget unterwegs waren, hatten wir sowieso geplant zu zelten oder das Auto als Bett zu nutzen, also nutzten wir die App „Park4night“.
Wir entschieden uns für einen Waldparkplatz und verwandelten den kleinen Peugeot im Dunkeln in eine improvisierte, aber recht gemütliche Unterkunft.
Während Alex schlief wie ein Murmeltier, hielten mich die Geräusche des Waldes wach. Ein Orchester aus Grillen spielte sein Konzert, begleitet vom Quaken der Kröten. Hasen huschten um das Auto, und in der Ferne dröhnte der Bass eines Raves. Irgendwann fiel auch ich in einen leichten, kaum erholsamen Schlaf.
Von überfüllten Stränden zur stillen Bucht
Die erste große Fahrt am nächsten Tag war wunderschön. Sie führte uns vorbei an schnuckeligen mediterranen Häusern, in die ich am liebsten gleich eingezogen wäre, durch abwechslungsreiche Landschaften bis zu unserem ersten Stopp: dem Playa de Lanzada. Ein langer Sandstrand, überfüllt mit Touristen. Gestresst von all den Autos und Menschen zog es uns weiter in die ruhigere Area de Reboredo Cove. Alex zwängte den kleinen Peugeot in eine enge Parklücke, die zum Glück noch im Schatten lag. So verbrachten wir den Tag in der heißen Sonne an einem von großen Felsen gesäumten Strand, holten uns einen Sonnenbrand und froren bitterlich, als wir den ersten Fuß ins eiskalte Wasser setzten.
Am Abend suchten wir uns einen anderen Parkplatz, kochten Nudeln mit Tomatensoße und genossen die kühle Luft, die der Atlantik uns über die Dünen schickte, während die Sonne am Horizont verschwand.
Vom Nebel verschluckt – und in Porto verzaubert
Nach dem Frühstück brachen wir auf zum nächsten Ort. Da wir die meiste Zeit eigentlich an der Algarve verbringen wollten, entschieden wir, schon jetzt Porto anzusteuern. Auf dem Weg dorthin hielten wir am Praia de Moledo, der vom „Nevoeiro“ verschluckt war – ein Nebel, der entsteht, wenn warme Luft vom Festland auf die kalten Winde des Atlantiks trifft. Da es nicht so aussah, als würde er sich bald verziehen, fuhren wir weiter nach Viana do Castelo. Dort steht eine bilderbuchhafte Bergkirche mit einer wundervollen Aussicht auf die umliegenden Landschaften.
Die Stadt selbst war allerdings voller Touristen, also setzten wir unsere Fahrt fort – ohne weiteren Zwischenstopp. Felder in allen Grün- und Gelbtönen zogen an uns vorbei, während der Erzähler eines Thrillers unsere Fantasie in dunkle Ecken führte.
In Porto angekommen, erwartete uns im Hostel eine ziemlich unfreundliche Begrüßung. Das trieb uns hinaus in die Stadt, und zufällig landeten wir an der Brücke „Ponte Luís I“. Im Sonnenuntergang zeigte sich die Stadt von ihrer schönsten Seite und bot die perfekte Kulisse für ein paar schöne Fotos. Auf dem Rückweg im Dunkeln fühlte es sich fast an, als wären wir wieder in Südamerika: volle Straßen, Stimmengewirr und eine Energie, die sofort ansteckte. Es war zauberhaft, fesselnd, laut und bunt. Porto hatte definitiv unsere Herzen gewonnen.
Ein zweiter Tag in Porto – Blog-Cafés & Bergsteigen
Weil uns Porto so um den Finger gewickelt hatte, entschieden wir uns, noch einen Tag zu bleiben und die Weiterfahrt nach Nazaré auf den späten Nachmittag zu verschieben. Einen Parkplatz zu finden war allerdings gar nicht so einfach, weshalb wir den alten Peugeot, schließlich in einer Tiefgarage abstellten, die nicht ganz so teuer war wie andere. Seit sein Auto in Prag einmal aufgebrochen worden war, war Alex extrem vorsichtig – jedes Mal, wenn wir es verließen, überprüfte er zwanghaft alle Türen. Deshalb nahmen wir auch die Mehrkosten für eine Tiefgarage in Kauf, um sicherzugehen, dass nichts dergleichen wieder passierte.
Wir erkundeten die Stadt mit dem Ziel, ein Café zu finden, in dem wir beide ein wenig an unseren Blogs schreiben konnten. Doch die Höhenunterschiede Portos machten uns schnell zu schaffen. Es ging ständig bergauf, und in der gleißenden Sonne wurde die Suche nach einem Café, vor dem nicht gerade hundert Menschen in einer Schlange standen, zu einem kleinen Kraftakt. Kurz trennten sich dann unsere Wege, als ich wieder einmal einen kleinen Markt entdeckte und Alex augenrollend sagte, er warte im Café auf mich. Leider war dieses genauso voll wie alle anderen. Das letzte, das wir ansteuerten, als ich ihn wieder einholte, lag in einer kleinen Nebengasse und hatte kaum Besucher. Was mich wunderte, denn die Säfte und die Pastéis de Nata waren wirklich schmackhaft.
Nach ein paar Stunden produktiven Schreibens war es an der Zeit, Porto zu verlassen – naja, nachdem wir erst noch knapp 40 Minuten zurück zum Auto gelaufen waren. Bergauf, bergab – nur diesmal mit erfrischendem Wind im Rücken.
Tipps für deine Reise nach Portugal
SIM-Karte
EU-Roaming – du kannst einfach deine deutsche SIM nutzen, ohne extra Kosten.
Anreise
Viele Direktflüge aus Deutschland,
z. B. nach Lissabon, Porto oder Faro.
Sicherheit
Sehr sicheres Reiseland, auch für Alleinreisende.
Transport
Zug- und Busnetz sind gut ausgebaut, Tickets sind online günstig buchbar (z. B. CP für Züge, Rede Expressos für Fernbusse). Mietwagen lohnen sich für Roadtrips und die Algarve.
Beste Reisezeit
Frühjahr und Herbst sind angenehm warm, Sommer kann sehr heiß und überfüllt sein.
Maut-straßen
Viele Autobahnen sind mautpflichtig, teils mit elektronischem System (kein Ticketziehen!). Vorher registrieren oder Mietwagen mit Transponder nehmen.
Oder du machst es wie wir und stellst bei Google Maps die funktion “Mautstraßen umfahren”ein und genießt die Fahrt durch die kleinen süßen Örtchen.
Falls du inspiration für deine Route brauchst hab ich dir meine hier zusammengestellt:
Nachtfahrt nach Nazaré
Die Fahrt nach Nazaré hatten wir bewusst so geplant, dass wir im Dunkeln ankommen. Alex meinte, er wolle unbedingt mal nachts fahren – und solange ich es nicht tun musste und meine Rolle als Beifahrer-Prinzessin behalten durfte, war es mir schnurz, ob wir bei Sonnen- oder Mondlicht unterwegs waren.
In der ersten der ungefähr zwei Stunden fuhren wir allerdings noch im goldgelben Licht des Sonnenuntergangs und hielten kurz für das Abendessen an einem Supermarkt. Da Alex irgendein Problem mit „altem“ Brot (vom Vortag) hatte, kaufte ich mir ein paar Minisalami und einen Brotaufstrich, um unsere Reste zu verwerten, während er zu einem Dreierpack Donuts für nur 1,30 € griff. Das beschreibt ziemlich gut unsere Ernährung in dieser Woche. Lange dauerte es nicht, bis ich neidisch auf seine Donuts war.
Zurück auf der Straße schalteten wir den Thriller wieder an, der gleich noch schauriger wirkte, als die Dunkelheit die Landschaften um uns herum verschluckte. Die Fahrt wurde anstrengend für Alex, weil es kaum Straßenbeleuchtung gab, und der Weg zum „Park4Night“, das wir ansteuerten, führte uns durch ein eher wenig befahrenes Gebiet mitten im Nirgendwo.
Als wir endlich ankamen, mussten wir natürlich noch das Auto umbauen. Zum Glück waren wir schon ein eingespieltes Team, in dem jeder wusste, was zu tun war. Alles musste raus, die Sitze nach hinten umgelegt und so eingeräumt werden, dass wir immer noch Platz zum Schlafen hatten – nur um am nächsten Morgen wieder alles auszuräumen, damit es erneut hineinpasste. Kompliziert, aber alles hatte System und Ordnung in unserem kleinen Gefährt.
Magisches Licht
Als ich am Morgen von meinem Harndrang geweckt wurde, musste ich widerwillig das warme Auto verlassen – und stellte fest, dass wir wahrscheinlich gerade am schönsten Park4Night-Platz waren, den es gibt. Er lag ein wenig oberhalb eines Strandes, hinter dem sich das glitzernde Meer erstreckte. Die Sonnenstrahlen, die sich gerade durch den Dunst des Morgens kämpften, tauchten die Szenerie in ein magisches Licht und ließen mich das Klo kurz vergessen.
Unser Plan für heute war der Besuch des Farol da Nazaré – ein Leuchtturm direkt an einer Klippe, von dem aus man im Winter Surfer beobachten konnte, die auf sogenannten „Monsterwellen“ ihr Leben riskieren. Auf dem Weg dorthin gönnten wir uns einen „Berliner“ und zogen unsere Pullis im Minutentakt an und wieder aus, da der Wind uns nicht entscheiden ließ, ob es nun warm oder kalt war. 2 € Eintritt zahlten wir dann für das kleine Gebäude mit Leuchtturm und Surfmuseum. Die Aussicht auf das endlos weite Meer und die gelben Klippen, umsäumt von glasklarem Wasser, war wunderschön. Mein persönliches Highlight waren die künstlichen Möwen, die auf den Mauern rund um den Leuchtturm gesetzt wurden. Wir reimten uns zusammen, dass sie vielleicht da waren um die lebenden Möwen davon abzuhalten ihr Geschäft dort zu verrichten. Oder es war einfach nur Kunst.
Von Nazaré nach Lissabon waren es jetzt noch anderthalb Stunden Fahrt. Sie war kurz, aber heiß. Auch hier war die Parkplatzsuche schwierig. Wir fuhren zunächst in ein Parkhaus, nur um später genau dieses Parkhaus „im Voraus“ zu buchen, damit es günstiger wurde. Nachdem wir im Hostel eingecheckt hatten, fuhren wir also aus dem Parkhaus heraus und zur gebuchten Zeit wieder hinein. So ersparten wir uns viel Geld und Sorgen.
Alex zog dann noch alleine durch die Straßen, während ich es genoss, eine warme Dusche zu nehmen und mich langgestreckt in ein Bett zu legen.
Eine neue Hose für Alex
Der Tag in Lissabon begann mit Pancakes aus dem Hostel und dem Packen unserer Koffer, denn wir mussten wieder auschecken. Wir brachten alles zum Auto und machten uns dann auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Es ging zu einem großen Platz, dem „Praça do Comércio“, weiter durch die süßen Gassen und bergauf zu einem Aussichtspunkt, dem „Miradouro da Senhora do Monte“.
Da Alex meinte, er hätte nichts Richtiges zum Anziehen – und ich ihm dabei voll zustimmen musste, nachdem ich seine Trikot- und Sporthosen-Sammlung in den letzten Tagen ziemlich kritisch beäugt hatte – zogen wir nach dem Essen los, um ein paar neue Klamotten in der Einkaufsstraße von Lissabon zu besorgen. Wir fanden Hemden und eine freshe kurze Hose für ihn, und nicht nur das: Er ließ sich sogar auf einen komplett neuen Stil ein und freundete sich mit einer etwas weiteren langen Sommerhose an, die ihm wunderbar stand. Und so kehrten wir Lissabon nach diesem erfolgreichen Tag den Rücken.
Alex wollte die drei restlichen Stunden bis nach Lagos durchfahren. Diese drei Stunden zogen sich endlos hin. Die Hitze stand im Auto wie in einem garenden Kochtopf, und die offenen Fenster schienen luftundurchlässig. Irgendwann bekam ich Hunger und musste aufs Klo – doch weit und breit war weder eine Tankstelle noch ein Restaurant zu sehen. Wir fuhren durch die Pampa. Mindestens anderthalb Stunden lang waren weite trockene Felder, grüne Wälder und grasige Hügel alles, was man sehen konnte.
Als ich es nicht mehr aushielt, pinnte ich bei Google Maps einen Supermarkt an, der nicht auf der Strecke lag. Der Umweg lohnte sich. Mit Chips, kalter Cola und leerer Blase besserte sich unsere Laune und die Weiterfahrt schnell wieder.
Die untergehende Sonne vergoldete die ohnehin schon gelben Felder und Hügel und ließ eine idyllische Stimmung zurück, bis sie schließlich ganz versank und der kleine Peugeot in Lagos auf den McDonald’s-Parkplatz rollte. Dort aßen wir unnötigerweise noch etwas, suchten anschließend einen Parkplatz für die Nacht und buchten schon ein Hotelzimmer für den folgenden Tag.
Wind, Mücken & die größte Flagge Portugals
Da wir bis 16 Uhr warten mussten, bis wir einchecken konnten, verbrachten wir den Morgen damit, im Aldi Frühstück zu holen und einen geeigneten Platz zum Essen zu finden. Ein kleiner, nicht verwendeter Wendekreis für Wohnmobile kam uns gerade recht. Dort saßen wir im kühlen Schatten der Bäume an unserem Campingtisch und verzehrten Avocado-Brot mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer und gezuckerte Donuts.
Gestärkt und mit frischer Energie fuhren wir die Küste entlang und suchten einen Strand, der nicht so überfüllt war. Wir wurden am Praia do Barranco fündig. Die Straße dorthin war fragwürdig gepflastert, sodass man aufpassen musste, sich keinen Platten einzufahren. Am Parkplatz standen nur ein paar Wohnmobile, und der Strand war herrlich leer. Leider wehte der Wind so stark, dass man sich nicht hinlegen konnte, ohne in den nächsten Minuten wie ein Schnitzel paniert zu werden. Also setzten wir uns kurz in eine windgeschützte Ecke, aus der uns letztendlich die Mücken vertrieben.
Alex baute dann noch seinen über alles geliebten Fahnenmast auf und hisste die portugiesische Flagge, die fast so groß war wie sein Auto selbst. Nachdem Alex stolz wie Bolle den Peugeot samt Fahne aus den unterschiedlichsten Winkeln fotografiert und betrachtet hatte, erklommen wir noch einen kleinen Hügel, von dem aus man eine wunderbare Sicht auf die umliegenden Klippen und eine kleine, versteckte Bucht hatte.
Am Abend trieb uns der Hunger durch die belebten Gassen von Lagos, in denen sich Touristen tummelten. Die Straßen waren voll, ebenso wie die meisten Restaurants, deren Preise jedoch deutlich überzogen waren. Schließlich entschieden wir uns für ein etwas abseits gelegenes Lokal, das ich aus verschiedenen Gründen hier nicht empfehlen möchte. Vom schlechten Essen ließen wir uns die Stimmung aber nicht verderben. Alex machte sich – wie immer – über meinen badischen Akzent lustig, den ich aus Trotz nur noch deutlicher raushängen ließ. Wir lachten über seine vergeblichen Versuche, den Dialekt nachzuahmen, und schwelgten in Erinnerungen an Buenos Aires und Uruguay.
Mystische Momente
Wieder starteten wir den Tag mit packen und Frühstück von Aldi. Avocado-Brot mit Zwiebel, Salz und Pfeffer und Donuts, am Wohnmobil-Wendekreis im Schatten der Bäume. Chat GPT meinte, wir dürfen uns die Ponta da Piedade in Lagos eigentlich nicht entgehen lassen. Also folgten wir seinen Anweisungen. Es war unerträglich heiß an diesem Tag, wir schwitzten entsetzlich, als wir die Holzstege entlangliefen und schließlich noch einer endloslangen Treppe folgten, die es absolut nicht Wert war, weil sie nur zu einer Bootsanlegestelle führte.
Eigentlich wollten wir dann weiter nach Faro fahren, doch unsere Route führte uns nochmals Richtung Westen, zum Ponta da Atalaia. Auf dem Weg dorthin durchbrachen wir buchstäblich eine Nebelwand, und fanden uns plötzlich in einer ganz anderen Welt wieder. Alles war grau und trist. Es hatte gar nichts mehr mit dem sonnigen Portugal zu tun, in dem wir uns vor ein paar Minuten noch befanden. Als wir an unserem Ziel ankamen, war es kühl und windig. Wir liefen durch eigenartig duftende, kniehohe Büsche, vorbei an einer kleinen Ruine, die mal ein Haus gewesen sein musste, an den Rand der schwindelerregend hohen Klippe. Unter uns lag das Meer, das durch den düsteren Nebel seltsam gefährlich wirkte. Die Wellen schlugen um die großen Felsen herum und verschluckten sie kurz, bis sie majestätisch wieder aus dem Wasser herausragten. Auf der anderen Seite erstreckte sich ein Sandstrand. Wir genossen die Aussicht von hier oben noch eine Weile. Ich denke mit Sonne wäre dieser Ort hier nur halb so besonders gewesen, denn der feuchte Dunst ließ die Szene wunderbar Mystisch wirken.
Es war schon spät geworden, also fuhren wir wieder zurück etwas weiter als Lagos, nochmal in einen Aldi für das Abendessen und suchten dann nach einem Schlafplatz. Wieder war es schon Dunkel, als wir das letzte Mal den Peugeot in eine Unterkunft verwandelten.
Ein schwerer Abschied & ein neues Band
Alex beschwerte sich jeden Tag darüber, dass ich immer so früh wach war. Ich persönlich verstand aber auch nicht, wie er bei der Hitze so lange schlafen konnte. An diesem Morgen war es gefühlt noch einmal 100 Grad heißer, und die Luft im Auto war trotz geöffnetem Fenster kaum auszuhalten. Die Sonne drängte uns zum schnellen Verlassen dieses Parkplatzes und zur Suche nach Schatten, den wir schließlich auf einem Aldi-Parkplatz fanden. Ein letztes Mal kauften wir eine Avocado, eine Zwiebel und Donuts, bauten unseren Campingtisch mit Stühlen hinter dem Auto auf und frühstückten dort im kühlen Schatten des Aldi-Gebäudes.
Nach dieser ausgiebigen Mahlzeit beschlossen wir, nach Albufeira weiterzufahren. Das Städtchen war überlaufen und touristisch. Wir schlenderten ein wenig durch die Straßen, fuhren mit den Rolltreppen einmal hoch und runter, aßen ein Eis – und weil wir die Kosten des Parkhauses nicht unnötig in die Höhe treiben wollten, ging es für uns weiter nach Faro. Mein letzter Stopp. Auf den letzten Kilometern hörten wir noch den Thriller zu Ende, dessen Finale uns zutiefst schockierte.
Im Navi war schon das Hostel eingegeben, das ich für meine letzte Nacht gebucht hatte. Als ich aus dem Auto stieg, wurde mein Herz schwer. Auch wenn es sich vielleicht nicht so anhörte, war diese Woche von vielen verwirrenden Gefühlen und Zweifeln geprägt. Wie immer kann und will ich hier nicht ins Detail gehen.
Was Alex und mich verbindet, ist ohnehin schwer zu beschreiben – und es geht natürlich auch niemanden etwas an. Trotzdem möchte ich euch das Gefühl vom Ende dieses Roadtrips näherbringen.
Gefühle ändern sich, Menschen ändern sich, und egal wie tief verbunden man einmal war, auch das verändert sich mit der Zeit. Es ist manchmal schwer zu akzeptieren, denn das, was man mit einer Person erlebt hat, bleibt für immer. Die schönen Erinnerungen und Erlebnisse lösen sich ja nicht einfach in Luft auf.
Weder Alex noch ich wussten, was genau wir mit diesem Roadtrip bezwecken wollten. War es ein verzweifelter Versuch, die Vergangenheit zurückzuholen, oder einfach die Hoffnung, dass die alte Verbindung, in der man sich so frei fühlte, immer noch bestand?
Nach sieben Tagen auf engstem Raum wissen wir jetzt, dass keines von beidem unser Ende bestimmte. Wir schufen neue Erinnerungen, neue Erlebnisse, auf die man zurückblicken kann – und das Wichtigste: Wir knüpften ein neues Band der Freundschaft. Eine, in der wir uns wieder so frei fühlen konnten wie damals in Uruguay – vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.
Zufriedenheit im Süden Portugals
Als ich am Abend noch einmal alleine durch die Straßen von Faro schlenderte, bereute ich ein wenig, dass wir nicht direkt von Lagos hierhergefahren waren. Dieses Städtchen war angenehm ruhig und friedlich.
Weil ich so müde war, kehrte ich trotzdem bald wieder um und verbrachte den Rest des Abends im Hostel. Bei einem organisierten Barbecue lernte ich noch ein paar wundervolle Menschen kennen, mit denen ich mich bis tief in die Nacht unterhielt.
Es war ein schönes Ende – und es gab mir ein gutes Gefühl. Ein Gefühl der Zufriedenheit.
Fazit
Ein Roadtrip ist nie nur eine Aneinanderreihung von Orten, Kilometern und Sehenswürdigkeiten. Es sind die kleinen Momente, die ihn prägen: ein Aldi-Frühstück im Schatten, die freude auf die kalte Cola von der Tanke, das endlose Suchen nach einem Parkplatz oder die unbequemen Nächte im umgebauten Auto.
Portugal hat mir nicht nur Strände, Sonne und neue Eindrücke geschenkt, sondern auch Klarheit. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass man Verbindungen nicht festhalten kann, indem man alte Erinnerungen wiederholt. Sie verändern sich – und mit ihnen wir. Aber gerade darin liegt etwas Schönes: die Chance, Neues zu schaffen.
Dieser Roadtrip erinnerte mich daran, dass es manchmal einfach reicht, im Moment zu sein, das Fenster im heißen Auto offen zu haben, sich auf den nächsten Donut zu freuen oder am Ende des Tages einfach zufrieden zu sein.
Und vielleicht ist genau das das Wichtigste, was ich mit nach Hause nehme: dass Veränderung nicht das Ende von etwas bedeutet, sondern den Anfang von etwas Neuem.
Wenn du Lust hast, auch Alex’ Sicht auf unsere Abenteuer zu entdecken, dann schau mal bei travelexvoeltzer.de vorbei – dort schreibt er über seine Reisen, darunter unsere Zeit in Uruguay und bald auch Portugal.











































