Nachdem mich eine Migräneattacke um den Schlaf auf dem Flug gebracht hatte, stand ich komplett verpeilt am Flughafen in Negombo und wartete vergeblich auf mein bestelltes Tuk-Tuk.
Bis ich verstanden hatte, dass es den kleinen dreirädrigen Fahrzeugen nicht erlaubt ist, in den Abholbereich des Flughafens zu fahren, verging über eine Stunde – eine Stunde, in der ich mit ständig wechselnden Fahrern telefonierte, von denen es keiner für nötig hielt, mir diesen doch entscheidenden Hinweis zu geben.
Genervt und mit brummendem Schädel gab ich irgendwann auf und bestellte ein viel zu teures Taxi, das mich nach Colombo in mein Hostel brachte.
Nach diesem holprigen Start wäre ich am liebsten direkt wieder nach Hause geflogen.
Rückblickend bin ich froh, dass ich geblieben bin – denn sonst hätte ich eines der schönsten Länder verpasst, die ich je bereist habe.

Sprache: Sinhala, Tamil
Hauptstadt: Colombo
Währung: Sri-Lanka-Rupie (LKR)
Good to know
Sri Lanka, früher Ceylon genannt, ist ein Inselstaat im Indischen Ozean, östlich der Südspitze Indiens.
Rund 22 Millionen Menschen leben hier, umgeben von einer großen Vielfalt an Flora und Fauna, die sich in abwechslungsreichen Landschaften zu einem fast schon gemalten Bild zusammenfügen. Das tropische Klima sorgt das ganze Jahr über für warme Temperaturen, jedoch gilt es die zwei Monsunzeiten zu beachten, die für Regen und Stürme sorgen können. Aber genau diese Vielfalt, die Teeproduktion und die faszinierende Kultur machen die Insel zu einem immer beliebteren Reiseziel.
Auf kleinstem Raum treffen hier gleich mehrere Religionen aufeinander. Der Buddhismus ist am weitesten verbreitet, gefolgt von Hinduismus, Islam und Christentum. Im ganzen Land findet man deshalb kleine und große Tempelanlagen, bei deren Besuch es wichtig ist, sich respektvoll zu verhalten – und entsprechend gekleidet zu sein.
Highlight´s und mehr…
Sanfte Riesen
Mein erstes wortwörtlich großes Highlight ergab sich gleich zu beginn beim ersten Stopp in Sigiriya:
eine Elefantensafari. Mit einem richtigen Safari-Jeep – offenem Dach, hochgelegten Sitzbänken und Stangen zum Festhalten – ratterten ich und meine Gruppe, bestehend aus zwei Engländerinnen und mir, über die von Schlaglöchern übersäten Wege des Huluru Eco Parks. Rot orangene Felsen wechselten sich ab mit dichtem grünen Buschland und zogen an uns vorbei wie Pinselstriche auf einer zu schnell gemalten Leinwand.
Allein die Fahrt war schon ein kleines Abenteuer. Wenn ich mich nicht ständig rechtzeitig geduckt hätte, hätten mich mehrere Äste vermutlich erschlagen. Doch als wir schließlich die ersten Elefanten in freier Wildbahn entdeckten, war alles andere vergessen: einsame Bullen, Babyelefanten, friedlich grasende Herden. Es war einfach unbeschreiblich schön, diese sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können. Neben den Elefanten bekamen wir auch Wasserbüffel, Pfauen und – völlig überraschend – ein winziges Chamäleon zu sehen. Wie unser Fahrer das beim Fahren überhaupt erkennen konnte, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Aber klar ist: Die Elefanten waren und bleiben das ganz große Highlight.
Zugfahrt durchs Hochland – zwischen Postkarte und Abenteuer
Natürlich wollte auch ich mindestens einmal in einen dieser berühmten Züge steigen, die sich durchs Hochland von Kandy nach Ella schlängeln.
Die komplette Strecke dauert allerdings gute acht Stunden – das war uns dann doch etwas zu viel Rumgesitze. Deshalb fuhren wir den ersten Teil, von Kandy bis Nuwara Eliya, mit dem Bus und stiegen erst für die zweite Hälfte, also die schönsten vier Stunden, in den Zug.
Da wir mit dem Buchen der Tickets etwas spät dran waren, blieb nur noch die erste Klasse – etwas teurer, aber definitiv bequem. Wir hatten feste Sitzplätze und „Airconditioner“ in Form kleiner Deckenventilatoren. Luxus, Sri-Lanka-Style.
Unser Ziel für diese Fahrt? Natürlich: ein Foto, auf dem man sich dramatisch aus der offenen Zug Tür lehnt. Lebensgefährlich? Naja, ein bisschen vielleicht.
Aber der Zug fährt so langsam, dass man mit etwas Selbstvertrauen und Vernunft ziemlich sicher ist. Der Schaffner war nicht nur entspannt, sondern fand unser Fotoshooting offenbar auch sehr unterhaltsam – er ließ uns sogar in sein eigenes Abteil, das eine zusätzliche Tür hatte. Beste Voraussetzungen für dramatische Zugbilder. Die Landschaft war atemberaubend schön: dichter Wald, steile Hänge, kleine Dörfer, Teeplantagen sausten an uns vorbei und während sich der Himmel langsam in leuchtende Farben tauchte und schließlich in tiefes Schwarz überging, rollten wir in Ella ein – ein bisschen durchgerüttelt, ein bisschen durchgefroren, aber ganz schön glücklich.
Viele kleine Highlights – und ein ganz großes
Eigentlich gab es so viele Highlights, dass ich vermutlich nie fertig würde, wenn ich sie alle ausführlich erzählen wollte.
Und trotzdem: Sie sind es wert, erwähnt zu werden. Deshalb hier in etwas kürzer.
In Kandy hatten wir nicht viel geplant – und vielleicht war es genau das, was diesen Ort so besonders gemacht hat. An einem scheinbar ganz gewöhnlichen Abend landeten wir in einer unscheinbaren Bar, die sich als Schauplatz einer der witzigsten Nächte meiner Reise entpuppte. Wir lernten tolle Menschen kennen und lachten, als würden wir uns schon ewig kennen.
Ella dagegen war pure Magie: die berühmte Nine Arches Bridge, der Aufstieg zum Little Adam’s Peak und das trubelige Touri-Städtchen haben mich sofort in ihren Bann gezogen.
Das Rollerfahren entlang der Küste in Weligama war ein Abenteuer für sich – genau wie die Doctors House Party dort, die zu den besten gehörte, auf denen ich je war.
Und dann war da noch Hikkaduwa – mein letzter Stopp, und ein ganz besonderer. Ich verbrachte eine Woche in einem Hostel direkt am See, atmete durch, fand ein bisschen zu mir zurück und ließ die letzten Wochen Revue passieren.
Aber das größte Highlight von allen waren nicht die Orte – sondern die Menschen.
Zwei Wochen lang war ich unterwegs mit zwei, später drei wundervollen Mädels:
Juliane lernte ich in meiner ersten Nacht in Colombo kennen. Nach meiner Reise auf die Malediven trafen wir uns zufällig in Sigiriya wieder – diesmal war ihre Freundin Caro dabei. Unsere Routen passten, also reisten wir einfach gemeinsam weiter. In Ella kam Hannah dazu, die wir im Dorm trafen. Auch sie hatte eine ähnliche Strecke vor sich, nur mit etwas Versatz. Und auf der Party in Kandy trafen wir noch Kerry – einen Australier, der allein und ein bisschen hinter uns herreiste, aber trotzdem immer wieder auf uns traf.
Diese Verbindungen haben Sri Lanka für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Diese Gruppe, die sich einfach richtig angefühlt hat, in der alles leicht war, lustig, herzlich – in der jedes Erlebnis sich zehnmal besser anfühlte, nur weil wir es geteilt haben.
Dafür bin ich unendlich dankbar.
Klar, allein wäre es sicher auch schön geworden.
Aber ist es nicht immer noch schöner, wenn man Erlebnisse teilen kann?
Tipps für deine Reise nach Sri Lanka
SIM-Karte
Ich hab mir eine E-SIM geholt – rückblickend nicht nötig.
Am Flughafen bekommst du physische SIM-Karten mit mehr Datenvolumen für weniger Geld.
Schnell, unkompliziert und überall gut nutzbar.
Hostels
Wenn du in die beliebten Hipster-Hostels willst, buch besser etwa eine Woche im Voraus – vor allem in der Hauptsaison.
Alternativen gibt’s immer, aber die spontan verfügbaren Hostels sind oft ruhiger oder weniger belebt.
Visum
Für Sri Lanka brauchst du ein elektronisches Visum (ETA), das du vorab online beantragen solltest – geht schnell und unkompliziert!
Hier der link: https://www.eta.gov.lk
Transport
- Lade dir die PickMe-App schon vor der Reise runter – besonders in Colombo super praktisch. Auch Uber funktioniert.
- In den Bergen gibt’s meist feste Preise für Tuk-Tuks – Verhandeln ist da schwierig.
- An der Küste kann es eine Art „Tuk-Tuk-Mafia“ geben – also Vorsicht mit der App-Nutzung. Tipp: Zeig den Preis aus der App direkt dem Fahrer, oft gehen sie drauf ein.
- Lokale Busse: bunt, günstig, wild.
- AC-Busse & Uber-Fahrten zwischen Städten sind auch möglich.
- Züge: langsam, aber landschaftlich top.
Pack schlau
Busfahren in Sri Lanka ist ein Erlebnis für sich.
Es geht schnell, laut und manchmal chaotisch zu – vor allem in lokalen Bussen.
Wenn du viel Gepäck hast, kommst du schnell in Stress, weil dein Rucksack selten in deiner Nähe liegt.
Pack also das Wichtigste ins Handgepäck – griffbereit und sicher.
Zugtickets
Wenn du 2.-Klasse-Tickets willst, musst du früh buchen.
3. Klasse ist die günstigste und oft die authentischste Variante, da fährst du mit den Locals.
In der 1. Klasse bekommst du auch kurzfristig noch Plätze – etwas teurer, aber bequem.
Falls du inspiration für deine Route brauchst hab ich dir meine hier zusammengestellt:
Die andere Seite der Medaille
So wunderschön Sri Lanka auch war,
es wäre nicht ehrlich, nur die Hochglanzmomente zu zeigen.
Denn es gab auch Situationen, die mich nachdenklich gemacht haben. Situationen, die ich nicht direkt einordnen konnte oder die schwer zu verdauen waren.
Zwischen Aufschwung und Ungleichheit
Sri Lanka wird immer touristischer. Manche sagen sogar, es sei dabei, das neue Bali zu werden. Immer mehr Hotelanlagen entstehen, selbst in abgelegenen Gegenden werden Straßen gebaut, um den Tourismus voranzutreiben.
Viele Menschen vor Ort erhoffen sich davon ein besseres Leben, z. B. durch kleine Familienrestaurants. Doch nicht alle profitieren, denn Korruption ist ein großes Problem. 2023 lebten fast 26 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Fischer verlieren den Zugang zum Meer, Menschen werden von ihrem Land vertrieben und das oft ohne Entschädigung.
Wenn man selbst Tourist:in ist und sich mit diesen Themen beschäftigt, kann das ziemlich ernüchternd sein.
Wenn Natur zur Attraktion wird
Ein weiteres schwieriges Thema sind die Nationalparks, besonders der Yala-Nationalpark. Ich habe mich ganz bewusst gegen eine Safari im bekanntesten Schutzgebiet der Insel entschieden.
Ich hatte zuvor viele kritische Berichte gelesen und konnte es letztlich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.
Es gibt sehr unterschiedliche Erfahrungsberichte: manche erzählen, wie großartig es war, andere wiederum von schlimmen Zuständen.
Was viele kritisieren: die Jeeps fahren oft viel zu schnell, um Leoparden oder Elefanten „einzufangen“ und scheuen dabei auch nicht davor zurück, die Tiere regelrecht zu hetzen.
Es gibt Videos von aggressiven Elefanten, die Jeeps angreifen, wahrscheinlich aus purer Überforderung. Und auch die Menge an täglichen Touren ist sicher nicht umweltfreundlich.
Kleine Entscheidungen, große Wirkung
Wie man mit all dem umgeht, muss jede:r für sich selbst entscheiden.
Aber ich finde, wichtig ist, sich damit überhaupt mal zu beschäftigen.
Man kann viel bewirken. Allein durch kleine Entscheidungen wie in lokalen Restaurants zu essen, statt in internationalen Ketten oder in kleinen Läden einzukaufen. Wunderschöne Kleider gibt’s dort nämlich oft handgenäht und hochwertig, ganz ohne Boutique-Preise.
Oder man entscheidet sich für einen der weniger bekannten Nationalparks.
Vielleicht sieht man dort keinen Leoparden.
Aber wer weiß, möglicherweise belohnt dich die Natur genau dann mit einem Moment, den du gar nicht erwartet hättest.
Denn jeder Ort hat seine eigene Magie. Wenn man ihn lässt.
Fazit-würde ich es wieder tun?
Auf jeden Fall.
Sri Lanka hat mein Herz erobert. Zwischen, für mich, viel zu scharfen Currys und den lauten, bunten Bussen habe ich mich selbst ein Stück weit wiedergefunden.
Die Melodie Sri Lankas ist unvergleichlich – und damit meine ich nicht nur Beethovens „Für Elise“, das dort aus nahezu jedem Bäcker-Tuk-Tuk schallt. Ich meine auch das Rauschen der hohen Wellen, das Rattern der Motoren und das fast miauende Lachen der Pfauen. Es ist diese Komposition aus Klang, Chaos und Charakter, die Sri Lanka so besonders macht.
Und es war mir eine große Ehre, für einen Moment Teil davon zu sein.








