Dunkle Wellen – Wie ich lerne, mit meinen Selbstzweifeln zu schwimmen

Mein Kopf ist leer. Und ich zerbreche regelrecht an dem Druck, den ich mir selbst mache.
Ich brauche den nächsten Artikel, muss sichtbarer werden, Instagram füllen, neue Wege finden, um Geld zu verdienen – damit ich das tun kann, was ich liebe: reisen.

Ich kam nach Frankreich, an diesen wundervollen kleinen Ort, um meine Gedanken zu sortieren. Um in Ruhe an meinem Plan arbeiten zu können.
Doch die letzten zwei Wochen tat ich, um ganz ehrlich zu sein, nichts. Zumindest nichts von dem, was ich hier eigentlich tun wollte.

Wenn Zweifel lauter werden, als die eigene Stimme

Ich könnte über so vieles schreiben. Und doch wusste ich nie so richtig, womit ich anfangen soll.
Heute ist der erste Tag seit zwei Wochen, an dem ich mehr als zwei Sätze in das Word-Dokument vor mir tippe – und sie nicht direkt wieder lösche.
Der erste Tag, an dem ich den Laptop nicht ängstlich anstarre und mir ein schlechtes Gewissen einrede, weil ich schon wieder nichts Nützliches getan habe.

Ich führe meine Blockade auf ein einziges Gefühl zurück:
Selbstzweifel.

Jeden Tag frage ich mich, ob das, was ich tue, überhaupt Sinn ergibt.
„Was willst du damit erreichen?“,
„Wer will sowas lesen?“,
„Was kannst du eigentlich?“

Diese Gedanken sind immer da – verfolgen, lähmen und verhöhnen mich.
Furchteinflößende Stimmen, die durch meinen Kopf schwirren, meinen Verstand vergiften und mich glauben lassen, ich wäre für nichts auf dieser Welt gut genug.

Sie liegen schwer auf meinen Schultern und trüben die Farben, in denen ich die Welt eigentlich sehe – und mich selbst.
Aus Zweifeln wurde Selbstabwertung.
Ein Strudel, in den man gerät, wenn man anfängt, diesen Stimmen zu glauben.

Manchmal bezwingen sie mich, weil sie zu laut und zu stark sind.
Sie reißen mich mit in die Stromschnellen und lassen mich ertrinken in den dunklen Wellen meines Selbstmitleids.

An anderen Tagen versuche ich, sie zu ignorieren – indem ich alles tue, nur nicht das, was sie in mir auslösen, um vor ihnen davonzulaufen.

Und dann gibt es Tage wie heute.
Tage, an denen ich den Mut finde, mich diesen Stimmen zu stellen – und einfach an der Oberfläche zu schwimmen.

Selbstzweifel als Kompass

Ich denke, ich bin nicht die Einzige, die von diesen Stimmen heimgesucht wird.
Und ich will mich auch nicht rechtfertigen oder Mitleid erzeugen – das gebe ich mir schon selbst.

Ich will Bewusstsein schaffen und zeigen, dass es okay ist, wenn Zweifel da sind – und dass jeder von uns sie schon einmal hatte.
Selbstzweifel sind menschlich und, zugegebenermaßen, haben sie auch etwas Gutes, solange sie nicht die Überhand gewinnen.

Sie sind ein Zeichen für Bewusstsein und Reflexion.
Sie geben uns einen Grund, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen und schaffen so eine Basis für persönliches Wachstum, Empathie und Weiterentwicklung.

Außerdem schützen sie uns vor Überheblichkeit und Arroganz.
Wer an sich zweifelt, überschätzt sich nicht – und bleibt offener für Feedback und neue Perspektiven.

Man könnte Selbstzweifel auch als eine Art Kompass bezeichnen, der uns den Weg zu den Dingen zeigt, die uns wirklich wichtig sind.
Wenn man zweifelt, kann das bedeuten, dass man es einfach nur richtig gut machen will – und nicht, dass man wirklich „schlecht“ darin ist.

Und der wichtigste Punkt von allen:
Selbstzweifel können ein Antrieb sein.
Durch sie entsteht oft der Impuls, sich zu verbessern oder Neues zu lernen.

Es ist normal, regelmäßig zu zweifeln – wenn nicht sogar gesund.
Solange man diese Energie für sich nutzt, um aufzustehen, weiterzugehen und sich nicht von ihr lähmen lässt.

Wenn die Zweifel gewinnen

Während ich all diese positiven Dinge über Selbstzweifel schreibe, muss ich mich selbst dafür rügen, dass ich diese Energie oft nicht wahrnehme – und Tage im Bett verschwende, weil ich mich von den Zweifeln kontrollieren lasse.
Weil ich manchmal lieber im Selbstmitleid versinke, anstatt mein Leben in die Hand zu nehmen.

Ich schäme mich dafür.

Aber wenn die Stimmen zu laut werden, sehe ich oft keinen anderen Ausweg, als mich ihnen hinzugeben – in der Hoffnung, dass sie irgendwann einfach aufhören.
Doch das werden sie nicht. Sie werden immer da sein.
Mal lauter, mal leiser. Mal stark, mal schwach.

Zwischen Akzeptanz und Selbstmitgefühl

Zweifel können also gut sein.
Doch wenn es zu viele werden, öffnet sich ein Abgrund, aus dem man nicht so einfach wieder herauskommt, wenn man einmal hineingefallen ist.

In den letzten zwei Wochen hatte ich viel Zeit, mich damit auseinanderzusetzen.
Ich habe also nicht nichts gemacht – nur eben nicht das, was ich eigentlich machen wollte.
Und letztendlich bin ich zu einer Erkenntnis gekommen:

Ich denke, der Schlüssel liegt nicht darin, gegen diese Zweifel anzukämpfen.
Er liegt darin, sie zu akzeptieren und anzunehmen.
Zu erkennen, wann es zu negativ wird und wann das Fass zu kippen droht.

Und dann – wenn ich genug Kraft finde – nicht im Selbstmitleid zu ertrinken, sondern mir die Rettungsleine zuzuwerfen und mir Selbstmitgefühl zu zeigen.
Zu versuchen, mich selbst zu verstehen und mir gut zuzusprechen – genau so, wie ich es mit einer guten Freundin tun würde.

Und auch wenn ich das nicht immer schaffe und die Zweifel meine positiven Gedanken überschatten,
geben mir Tage wie der Heutige Hoffnung und Trost.
Weil ich etwas geschafft habe, das mir große Angst gemacht hat.
Sie geben mir die Gewissheit, dass ich irgendwann weiß,
dass ich gut genug bin.

Zweifel gehen, Vertrauen bleibt

Seit ich diesen Artikel geschrieben habe, sind wieder zwei Wochen vergangen.
Sie waren weder ereignisreich noch produktiv. Die Zweifel kamen – und sie gingen.

Und trotzdem sitze ich jetzt hier, schreibe weiter, atme weiter, denke weiter.

Vielleicht ist das alles, was zählt:
Dass ich nicht stehen bleibe, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Denn Zweifel gehören dazu.
Aber sie gehen vorbei –
und wenn sie gehen, kommt das Vertrauen wieder zurück.